Entdecken Sie diese Rarität aus dem Nachlass von Peter Thomas, die kürzlich auf dem hauseigenen Label MuZikBeater erschienen ist: Frankenstein Rock!
Ende der 50er Jahre war der Schlager sehr populär (1958: 58 Millionen verkaufte Platten) und der experimentierfreudige Peter Thomas ging kurzzeitig selbst unter die Sänger. So nahm er 1959 mit der Gruppe „Peter Thomas und seine Tele-Boys“ die Single Frankenstein-Rock und Pst! Setz auf die Sieben! auf.
Am 3. Dezember 2021 wurden die Urnen von Cordy, Peter und Bruder Dominic Thomas im Waldfriedhof Dahlem (Reihe 10 Nr. 86) in Berlin beigesetzt. Es war ein trauriger Abschied und gleichzeitig ein feierlicher Anlass ganz im Sinne der Familie Thomas. Eine kleine Besonderheit befindet sich am Fusse des Grabes – ein QR-Code mit Musike – Vater hätte seine Freude daran.
Hier ist ein Märchen von übermorgen. Es gibt keine Nationalstaaten mehr, es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum. Menschen siedeln auf fernen Sternen. Der Meeresboden wird als Lebensraum erschlossen. Mit heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeiten eilen Raumschiffe durch unser Milchstraßensystem. Eines dieser Raumschiffe ist die Orion. Winziger Teil eines gigantischen Sicherheitssystems, das die Erde vor Bedrohungen aus dem All schützt. Begleiten wir die Orion und ihre Besatzung auf ihrem Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit und entdecken wir in den nächsten Wochen einen ganz wichtigen und entscheidenden Eckpfeiler in der Karriere von Peter Thomas: Seine Musik für die erfolgreiche TV-Serie „Raumpatrouille Orion“.
Wir geben Ihnen einen Einblick in die musikalische Welt von Orion, werfen einen Blick hinter die Kulissen der TV-Produktion, stellen Ihnen die Protagonisten vor und erzählen die Geschichte auf eine neue Art und Weise.
Space Patrol Orion läuft derzeit auf Netflix – hier können Sie die Serie noch einmal sehen. Der Rechteinhaber Bavaria Film bereitet ein Reboot vor. „Orion“ ist der schlichte Titel der Gemeinschaftsproduktion von Uncharted Territory und Bavaria Fiction. Die Handlung wird sich an der der Originalserie orientieren, im Vorfeld hatte das renommierte amerikanische Branchenmagazin Variety bereits über die Pläne berichtet.
Doch nun tauchen Sie mit uns ein in die unendlichen Weiten, die Commander McLane und seine Crew entdecken und bei denen sie von der großartigen Musik von Peter Thomas begleitet werden.
Peter Thomas benötigte nur fünf Tage für die Aufnahmen zur Raumpatrouille. Die finanziellen Mittel waren begrenzt, aber er hatte musikalisch freie Hand. Thomas erinnert sich: „Die Produzenten hatten ein gewisses Budget und sagten: ‚Mach mal was!
Peter Thomas hatte den Ehrgeiz, Musik „vom Mond“ zu machen, d.h. Musik zu komponieren, wie sie in der Zukunft tatsächlich gespielt werden könnte, unter Verwendung der vorhandenen musikalischen und instrumentalen Möglichkeiten. So wurden außer dem Vocoder für den Countdown und der Hammond-Orgel (abgesehen von E-Gitarre und E-Bass) keine elektronischen Instrumente verwendet. Peter Thomas hatte nicht die Absicht, eine symphonische Klangwelt zu schaffen, wie es John Williams für Star Wars tat. Er hatte auch gar nicht die finanziellen Mittel für solche Produktion. Er machte aus der (finanziellen) Not eine Tugend: In schlanken, aber raffinierten Arrangements kombinierte er die Instrumente einer Beat- oder Rockband mit wenigen charakteristischen Orchesterinstrumenten. Als zentrales Instrument, das sich durch die gesamte Komposition zieht, setzte er jedoch die Hammond-Orgel ein, die damals – musikalisch gesehen – noch ein Fremdkörper“ für die breite Öffentlichkeit war. Mit ihren vielfältigen Klangmöglichkeiten und dem schwebenden und vibrierenden Leslie-Sound war sie bestens geeignet, unheimliche, gefährliche oder dramatische Szenen musikalisch zu untermalen. Zugleich passte es ideal in den Bandkontext.
„Ich habe mich damit sehr wohl gefühlt. Es war sehr wichtig, pünktlich fertig zu werden, aber ansonsten hatte ich alle Freiheiten.“ Die Aufnahmen wurden dann in München gemacht, im Bavaria Tonstudio in der Schornstraße. Einer der besten Tontechniker, Hans Endrulat (der später auch die Musik für „Cabaret“ aufgenommen hat), war dabei. Die technischen Möglichkeiten erlaubten damals nur eine Zwei-Spur-Aufnahme (Fachbegriff: „Shoestring“), also musste alles in einem Rutsch aufgenommen werden. Thomas erinnert sich: „Alles wurde live aufgenommen. So wusste ich sofort, wie es klang, und jeder Musiker spielte auch besser. Er durfte keinen Fehler machen. Ein Fehler ist okay, beim zweiten bekommt er eine Verwarnung und beim dritten wird er gefeuert. Mit Angst spielt man besser.“ Oft wurde die Musik direkt zum laufenden Film gespielt.
„Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ ist die erste und bekannteste deutsche Science-Fiction-Fernsehserie. Sie wurde ab dem 17. September 1966 vierzehntägig samstagabends nach der Tagesschau von der ARD in sieben Teilen ausgestrahlt. Die Serie, die für ihre Zeit immense 480.000 DM pro Folge kostete, entstand als deutsch-französische Koproduktion zwischen dem WDR und dem öffentlich-rechtlichen Sender ORTF (Office de Radiodiffusion Télévision Française), wo sie unter dem Titel „Commando Spatiale“ gezeigt wurde. Obwohl es bei den sieben jeweils einstündigen Folgen blieb, hat die Schwarz-Weiß-Serie seit Jahrzehnten Kultcharakter. Bei der Erstausstrahlung in der ARD erreichte sie Einschaltquoten von bis zu 56% und wurde deshalb oft als Straßenfeger bezeichnet. In Deutschland wurde die Serie mehr als 35 Mal im deutschen Fernsehen und von verschiedenen Regionalsendern wie WDR, NDR Fernsehen, hr-fernsehen und dem damaligen Südwest 3 sowie dem Privatsender Sat.1 wiederholt.
Darüber hinaus gab es in den 1980er und 1990er Jahren spezielle Filmvorführungen, vor allem in Programmkinos, wo die sieben Episoden meist in zwei Durchgängen gezeigt wurden. Im Jahr 2003 wurde die 90-minütige Kompilation Raumpatrouille Orion: Rücksturz ins Kino wurde sogar mit neu gedrehten Szenen bearbeitet, in denen unter anderem die bekannte Schriftstellerin Elke Heidenreich als Nachrichtensprecherin Helma Krap aus der Zukunft berichtete.
Beispielhaft für die Serie ist auch heute noch die Verwendung von Alltagsgegenständen im Inneren des Raumschiffs, wie Bügeleisen, Bleistiftspitzer oder Wasserhähne, die als technische Steuerelemente dienten, während die stark vergrößerten Zierfische des Berliner Aquariums die Kulisse für das Starlight Casino bildeten. Unvergessen ist der Navigationscomputer in Form eines elefantösen Fabergé-Ei. Es ist genau dieser Einfallsreichtum, der der Raumpatrouille Orion bis heute ihren besonderen Charme verleiht.
Schon damals wurde das Orion-Raumschiff als Modell im Bluescreen-Verfahren gedreht. Dieses Verfahren wurde auch für die Szene des Lichtsturms verwendet. Man mag sich darüber amüsieren, dass Reiskörner verstreut wurden, um den Sturm zu simulieren. Aber die Hochgeschwindigkeitsaufnahmen sehen heute noch überzeugend aus.
Ein wunderbares Beispiel für den damaligen Einfallsreichtum war der Overkill des experimentellen Mondes. Dieser bestand aus einer mit Reis, Kaffee, Mehl und Rosinen gefüllten Gipskugel, die durch ein Hochleistungsgebläse so stark erhitzt wurde, dass die Kugel platzte, auseinandergerissen wurde und die Luftverwirbelungen aus ihrem Inneren den Inhalt herausschleuderten. Auch die Supernova, die aus einer mit Brandpaste überzogenen und in Brand gesetzten Holzkugel bestand, sieht heute noch beeindruckend aus.
Ein absolutes Highlight ist natürlich der Start der Orion. Ein auf einem Brett befestigtes Foto der Orion wurde kopfüber in einen mit Wasser und einer Brausetablette gefüllten Glasbehälter getaucht und gefilmt. Die sprudelnden Luftblasen der Tabletten stellten visuell den Start aus der Unterwasserbasis 104 dar. Beim Einflug in die Startbasis 104 wurde die Startszene einfach rückwärts abgespielt, wodurch der rückwärts drehende Strudel entstand.
Der Strudel, aus dem die Orion aufsteigt, wird oft als Badewannenfluss bezeichnet, was jedoch nicht korrekt ist. Tatsächlich wurden die Bilder des Strudels in der Versuchsanstalt für Wasserdynamik der Technischen Universität München aufgenommen. Die Wasserkräuselungen wurden mit Hilfe von Ventilatoren erzeugt.
Auf dem Meeresboden, den die Menschen im Jahr 3000 als Lebensraum erschlossen haben, liegt das Starlight Casino, eine futuristische Bar, durch deren Glaskuppel man vorbeischwimmende Fische beobachten kann. Hier erholten sich McLane und seine Crew von ihrer Arbeit als Raumpatrouilleure und feierten erfolgreich bestandene Abenteuer. Sie amüsierten sich, entspannten sich, redeten miteinander, lachten zusammen und flirteten. Bei seltenen Gelegenheiten wurden dort auch Meinungsverschiedenheiten beigelegt.
Auf der Tanzfläche schwangen die Menschen nach wundersamen Choreografien das Tanzbein zum Galyxo-Tanz. Für die Szenen im Starlight Casino komponierte Peter Thomas zwei Stücke, „Ballet“ und „Piccicato in Heaven“, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber eines gemeinsam haben: eine futuristische Fremdartigkeit. Tanz- und Unterhaltungsmusik der Zukunft war im Starlight Casino zu hören. Für die Tanzszenen musste Peter Thomas die Musik vor den Dreharbeiten liefern, da das Ballett die Stücke vorher einstudieren musste. Die ausgefallenen Tanzfiguren der futuristischen Modetänze wurden von dem Choreographen William Miliè entwickelt.
Die Musikstücke für Starlight Casino können somit als die originellsten und futuristischsten Stücke der Space Patrol angesehen werden, alle anderen Stücke wurden erst nach den Dreharbeiten fertiggestellt. Auch der Tanz Galyxo wurde erst nachträglich für „Raumpatrouille Orion“ so benannt: Rücksturz ins Kino“.
Hier der Text, den Philip Thomas anlässlich Peter Thomas Retrospektive im Februar 2024 im Vorfeld der langen „Orion Nacht“ vortragen durfte:
Da heute vorwiegend ein Orion-Fachpublikum anwesend sein dürfte, werde ich mich nicht aufs Glatteis begeben und Ihnen die Raumpatrouille erklären. Ich werde vielmehr versuchen, die Raumpatrouille im damaligen zeitlichen Kontext zu situieren und Parallelen zur Star Trek-Serie zu ziehen. Und keine Sorge nicht mehr als 7 Minuten!
Die Drehbücher der 7-teiligen Serie schrieb Rolf Honold. Der Serie wurden bereits bei der Erstausstrahlung reaktionäre und militante Züge vorgeworfen. Von Brisanz war auch die Figurenkonstellation in der Raumpatrouille, so etwa die Beziehung Commander McLanes zur russischen Agentin Tamara Jagelowsk. Die Beziehung war ja «der damalige Ost-West-Konflikt in der Nussschale» – so Dietmar Schönherr. Wenn der Commander mit einem amerikanisch klingenden Namen auf einen Kontrolloffizier mit einem russischen Namen hören soll, muss es ja Spannungen geben.
Mitte der 60er Jahre nahmen insgesamt drei Sci-Fi Serien ihren Anfang – also die Raumpatrouille, Star Trek und Dr. Who. Und das war kein Zufall: denn es war das goldene Zeitalter der (bemannten) Raumfahrt, zwischen Sputnik 1, dem russischen Satelliten (1957), dem ersten bemannten Raumflug mit Juri Gagarin (1961) und der ersten bemannten Mondlandung durch das Team von Apollo 11 (1969). Damit waren die 60er Jahre allerdings nicht nur das Jahrzehnt der beginnenden Eroberung des Weltalls, sondern das Jahrzehnt eines Wettlaufs zwischen den USA und der UdSSR und des Kalten Krieges.
Die „Raumpatrouille“ hatte am 17. September 1966 Premiere, nur neun Tage nach der ersten „Star Trek“-Episode und auf den ersten Blick hatten sie vieles gemeinsam: Beide spielen in der fernen, aber unserer Welt nicht ganz unähnlichen Zukunft; im Zentrum beider Serien stehen ein Raumschiff und seine multiethnische Besatzung; in beiden geht es um militärische Konflikte ebenso wie um persönliche Geschichten; beide beginnen, zu Bildern vom Weltraum und den jeweiligen Raumschiffen, mit der Kombination von Titelmusik und Voiceover, das uns in die fiktionale Welt einführt.
Voiceover und Musik machen jedoch auch klar, wie radikal unterschiedlich diese Geschichten sind. Während wir erfahren, dass die Enterprise „seltsame neue Welten, neues Leben und neue Zivilisationen“ finden soll, tut die Orion Dienst als „winziger Teil eines gigantischen Sicherheitssystems, das die Erde vor Bedrohungen aus dem All schützt“.
Fünf der sieben Episoden haben mit dem Kampf gegen die außeriridischen „Frogs“ zu tun. Der militärische Fokus der Serie war, neben den Produktionskosten, der Grund dafür, dass die Bavaria sie nicht verlängerte; die Publikumsreaktionen waren zwar positiv, aber die Kritik ging mit dem, was Helmut Krapp, ein Mitglied des Produktionsteams, als „schon fast faschistische Züge“ beschrieb (zitiert nach Kastner 1995: 85), hart ins Gericht.
Eine andere Auslegung wäre vermutlich richtiger, nämlich die Raumpatrouille nicht als ideologischen Rückfall in schlechte alte Zeiten zu verstehen, sondern als Versuch, den Ort der BRD in der neuen Zeit zu bestimmen, und darin war sie in der Tat Teil eines gigantischen Sicherheitssystems, auch wenn sich dieses nicht gegen Bedrohungen aus dem All richtete, sondern gegen solche aus der Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten, eine Bedrohung, die mit dem Wettlauf ins All eine neue Dimension bekommen hatte. Die Staatsräson der BRD war Westintegration, ideologisch, ökonomisch und militärisch.
Die Raumpatrouille und sinnbildlich die Crew der Orion sind ein Beispiel für diese symbolische Integration und der Vergleich mit „Star Trek“ ist interessant. Die Enterprise wird von einem Amerikaner kommandiert, ihm zur Seite stehen ein Team mit einem weiteren Amerikaner, einem Schotten (Scotty), einer afrikanischen Offizierin, ein japano-amerikanischer Steuermann, einem russischen Navigator und, über die Menschheit hinaus, der halb-vulkanische Wissenschaftsoffizier Spock.
Die Crew der Orion ist ähnlich international, mit amerikanischen, italienischen, schwedischen, französischen und russischen Mitgliedern, d. h. wie in „Star Trek“ wird der aktuelle Feind im Osten symbolisch in die neue Gemeinschaft integriert und mit den Frogs ein neuer an seine Stelle gesetzt.
Aber während in „Star Trek“ US-Amerikaner die Mehrheit ausmachen und den Captain stellen, ist in „Raumpatrouille“ die einzige unzweifelhaft deutsche Figur, Leutnant Spring-Brauner, die Karikatur eines überkorrekten, unflexiblen Beamten, während Dietmar Schönherr Major Cliff Allister McLane Amerikaner ist, Westdeutschlands Subordination unter den neuen Hegemon signalisierend. Und während in den Namen der Enterprise-Besatzung die nationalen Ursprünge der Figuren deutlich sind, verschleift „Raumpatrouille“ diese Ursprünge: Helga Legrelle, Hasso Sigbjörnson (Französische bzw. schwedische Nach-, aber deutsche Vornamen), Oberst Henryk Villa (polnisch/Italienisch). Nationale Identitäten lösen sich in „Raumpatrouille“ auf in eine Gesamtidentität, in der das alte, schlechte Deutschland seine Konturen verloren hat.
Und bei der Musik bedient sich die Raumpatrouille ausschließlicher als „Star Trek“ bei zeitgenössischer populärer Musik. Peter Thomas bereits bekannt durch die Musiken von Edgar-Wallace, Jerry Cotton oder Melissa war es gewohnt, schnell und mit einem kleinen Ensemble zu arbeiten: Für die „Raumpatrouille“ wurde es um Blechbläser, Bassisten und einen kleinen Chor ergänzt. Charakteristisch für die Thomassche Musik ist die Verwendung textloser Stimmen als Farbe im Ensembleklang, denn er hatte den Anspruch Musik auf der Höhe der Zeit zu machen (mit der Bezeichnung „New Astronautic Sound“ suggeriert man im Zusammenhang mit dem Wettlauf ins All Zeitgenossenschaft. Eine Allzweckmodernität, die der Funktion von „Raumpatrouille“ als Projektion eines neuen Deutschlands perfekt entspricht und vielleicht auch, weil es den militaristischen Aspekt der Serie abschwächte und Traditionen heroischer Kriegsfilmmusik vermied.
Während in der originalen „Star Trek“-Serie ein großer Teil der Laufzeit musikalisch untermalt wird, in einer Weise, die nicht stilistisch, aber methodisch – an Hollywood-Filme der 1930er und 1940er Jahre erinnert und oft cartoonhafte Deutlichkeit annimmt, ist „Raumpatrouille“ musikalisch sparsam. Nur gut 18% der Laufzeit der Serie verwenden Musik, die Titelmusik ist eines der längeren Elemente. Der „Raumpatrouille“-Vorspann mit 56 Sekunden ist ein Muster an musikalischer Ökonomie und besteht im Wesentlichen aus den Abwandlungen eines A-Moll-Akkordes.
Und ich möchte hier mit einem Beispiel von Vaterns kreativer Arbeitseise abschliessen: Der normale Klang des Klaviers war für eine Science Fiction Serie wenig geeignet. Also hat Vatern einen Verstärker und ein Mikro genommen, das Mikrophon auf die Klavier Saiten gelegt, etwas an den Knöpfen gedreht und auf einmal war das wie ein Unterwasserklavier. Und Vaterns Fazit: so müsste das eigentlich in einem Raumschiff klingen.
Quelle: ZUKUNFTSMUSIK, Star Trek, Raumpatrouille, Dr. Who und der Soundtrack zum Wettlauf ins All von Guido Heldt; in Berliner Debatte Initial 32 (2021)
Heute gibt es allein vom Titelsong von „Raumpatrouille“ mehr als 50 Coverversionen, (u.a. Helge Schneider, The Beatsteaks, The Mocambo Astronautic Sound Orchestra und viele mehr. Fast alle Musikgenres sind vertreten.
Darüber hinaus wurde die Titelmelodie auch von DJ Spinna, Swollen Members und Too Strong gesampelt.
Nebel wabert über der Themse, und ein buckliger Mörder schleppt sich durch Soho. Hallo, hier spricht Edgar Wallace, und herzlich willkommen – nicht in London, sondern im deutschen Wirtschaftswunder-Kino. Die Wallace- Filme mit ihrer biederen Mischung aus Geisterbahngrusel und Kriminalklamotte. Der originellste Beitrag zum Wallace-Phänomen dürfte von Peter Thomas stammen. Seine Kompositionen für 18 Wallace- Filme sind am wenigsten gealtert.
«Mach, was du willst, nur teuer darf’s nicht sein», lautete die Vorgabe des Filmproduzenten Horst Wendlandt an seinen Komponisten. Thomas hat immer beides erfüllt: Er ist im Budget und er ist eigenwillig geblieben. Für den Film «Der Hexer» verquirlte er mit viel Swing Frauenschreie, Pistolenschüsse, Männerröcheln, Sprechchor und Bigband zur vielleicht irrsten Musik der Filmgeschichte – durchgedreht und noch wahnwitziger als Kinskis berüchtigte Ausbrüche auf dem Set.
Peter arbeitete auch mit jungen Musikern zusammen. Die Aufnahmen mit „Ich-Zwerg“ sind ein gutes Beispiel dafür, dass er immer wieder für neue Sounds zu haben war. Diese Single wurde 1999 veröffentlicht und featured den Rapper Andres Bingel mit dem von Peter Thomas geschriebenen Track „Tach Herr Doktor“.
In diesem Clip können Sie Peter Thomas in verschiedenen Sequenzen entdecken:
– Ganz am Anfang spielt Peter die Trompete,
– in der Mitte (bei 1’30),
– und ab 1’50 spielt Peter verschiedene Instrumente,
– und am Ende des Clips.
Melissa ist ein deutscher Fernsehdreiteiler aus dem Jahr 1966. Er gehört zu der Reihe von Durbridge-Filmen, die in den 1960er-Jahren in Deutschland zu Strassenfegern wurden.
Der Musiktitel Melissa ist ein musikhistorischer Klassiker von Peter Thomas. Der Titel erreichte am 12. Februar 1966 Platz 4 der deutschen Charts, in denen er 12 Wochen vertreten war. Peter Thomas nahm den Titel mit der „Harald Banter Media Band“ auf, wo der bekannte Trompeter Charly Tabor nur für diese Aufnahme ein einziges Mal die Bassgitarre spielte. Das Thema wurde im Dreiteiler nur als Musikuntermalung eingesetzt und war da auf einer Odeom -Single zu sehen. Tatsächlich erfolgte die Single-Veröffentlichung in einer Neueinspielung bei CBS, bei der Thomas dann an der Bassgitarre Franz Löffler einsetzte. Das eigentliche Titel- und Schlussthema wurde später unter dem Titel Die Schlüssel auf der CD Strassenfeger, Colosseum/Cinesoundz CST 80772 veröffentlicht, zusammen mit dem Melissa-Thema.
Peter Thomas ist Urheber der bekannten Fanfare der Produktionsfirma Constantin-Film. Immer wenn das Logo von „Constantin-Film“ gezeigt wurde, ertönte auch gleich die von ihm komponierte Erkennungsmusik.
Daisy Door wurde 1971 durch das von Peter Thomas komponierte und produzierte Lied Du lebst in deiner Welt (Highlights of My Dream) aus der Folge Als die Blumen Trauer trugen der TV-Serie Der Kommissar bekannt. Sie lieh ungenannt der Schauspielerin Sylvia Lukan ihre Stimme. Am Tag nach der Ausstrahlung begann einen Riesen-Run auf die Schallplattenläden. Den Titel gab es vorher nicht auf Platte und musste in Windeseile von Ariola gepresst werden. Innert drei Monaten wurden mehr als 500.000 Schallplatten verkauft. Er bescherte ihr drei Auftritte in der ZDF-Hitparade (Dezember 1971, Januar und Februar 1972). Damals war’s 1971/72 – heute Paradebeispiel eines One-Hit-Wonders.
Daisy Door hat noch eine weitere Thomassche Komposition gesungen namens: „Oh, Oh, Oooh, Ei Ei Ei – wo immer es auch sei“. Der Song handelt vom gestohlenen Kammerton „A“. Peter Thomas O-Ton: In Anlehnung an die „Pariser Stimmung“ von 409Hz lagert der Originale Kammerton in einer 2 Meter langen Glasvitrine in einem Pariser Museum. Die Idee war, dass er gestohlen wurde und die Welt keine Musik mehr hatte. So erklärt sich das dadaistische VocalWirrWarrl. Ei (das war die Suche nach selbigem Kammerton). Als er wieder gefunden wurde, klang es dann „Musik ist wieder da, die schon verschwunden war“. Wenn man die Hintergründe kennt, kommt es einem nicht ganz so crazy vor, aber ganz skurril wie immer bei Peter Thomas. Hören Sie selber:
Der kleine Elefant war ein treuer Begleiter von Peter Thomas. In seinem Rüssel hält er die Stimmgabel mit dem Kammerton A mit 440 Hertz.
Im Krimi «Blumen für Zimmer 19» (Krimi-Reihe «Die fünfte Kolonne») geht es um einen Mord an einem Medizinstudenten. Der Film überzeugt mit seiner atmosphärischen Dichte. Es ist das Debut des Regisseurs Helmut Ashley. Ashley war ursprünglich Kameramann und drehte viele Krimis, u.a. auch für die Jerry Cotton-Reihe. Er war Nachbar von Peter Thomas in Kitzbühel.
In den Hauptrollen dieser Folge sieht man Klausjürgen Wussow, der 20 Jahre später als Professor Brinkmann für Furore sorgen sollte. Kleine Anekdote am Rande. In dieser Folge spielt auch Hannelore Elsner mit, die Professor Brinkmann mehr als 20 Jahre später in der Schwarzwaldklinik verführen wird. Ferner spielen Michael Verhoeven und Werner Bruhns mit.
Und wir haben das Glück, dem 40-jährigen Peter Thomas bei seinem überraschenden, kurzen Auftritt während der Musikaufnahmen in einem Hamburger Tonstudio über die Schulter schauen zu können. Die Cutterin in diesem Ausschnitt war die junge Hannelore Elsner.
Peter Thomas hatte 1960 seinen ersten Bundesfilmpreis (Flucht nach Berlin) erhalten und hatte sich in der Branche einen Namen gemacht. Mit den Erfolgen gingen auch private Veränderungen (Geburt seines Sohnes Philip) einher. Er einnert sich: „Die Musik habe ich gemacht, aber das Leben hat immer mein Cordylein bestimmt. Sie hat gesagt: Jetzt hast du hier alles, jetzt kennst du hier alle. Du sagst zu allen du und alle sagen du zu dir. Wir müssen woanders hin, wo man wieder Sie sagt.“ Im August 1961, dem Monat des Mauerbaus, siedelte Familie Thomas nach Grünwald bei München. Die bayrische Hauptstadt war zu einer kulturell bedeutenden Metropole und Filmstandort geworden.
Cordy zum Ortswechsel:
„Zuerst war Peter nicht davon überzeugt. Aber nachdem wir in München waren, wurde er sofort mit Arbeit überschüttet.“
Und Peter Thomas:
„Man entscheidet sich mit 18 Jahren, ob man freiberuflich wird oder ob man angestellt sein will. Man weiss: wenn am ersten des Monats das Geld nicht da ist, dann muss man ganz schön strampeln. Aber dieses Strampeln macht auch frei und zwingt einen, dass man auch Ideen haben muss. Dann kann man auch besser überzeugen. Wenn ich saturiert bin, überzeuge ich keinen mehr.“
1962 kam Sohn Dominik zur Welt.
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